Chronik

Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts erkannten die Bürger der Stadt Großenhain, welche Gefahren das Feuer für ihre Stadt in sich birgt.

Im Jahr 1846 wurde ein Turnverein gegründet. In ihm gab es Bestrebungen, die Bedingungen für die Bekämpfung von Bränden zu verbessern. Bereits ein Jahr später, also 1847, wurde eine Feuerlösch- und Rettungsabteilung aus den Reihen der Turner gebildet. Diese bestand aus 32 Mann, die jedoch auf Grund der politischen Verhältnisse 1849 wieder aufgelöst wurde.

Im Jahr 1852 wurde abermals eine freiwillige Rettungsschar gegründet. Trotz öffentlicher Anerkennung kam die junge Wehr auf Grund ihrer geringen Mitgliederzahl nicht so recht zur Geltung.

Dem Aufruf des Turnlehreres Robert Schneider zur Gründung einer neu zu organisierenden Feuerwehr am 16. März 1856 folgten 34 Mann. Es kam zur Gründung des "Freiwilligen Feuerlöschkorps", in ihm ging auch die "Freiwillige Rettungsschar der Turner" auf. Zur Ausrüstung gehörten zwei eiserne Spritzen, die in einem Holzverschlag im Rathauseingang stationiert waren.

Ausgehend von dem Rathausbrand 1872 begann eine Reorganisatin des Großenhainer Feuerlöschwesens. Von jetzt an wurde die gesamte Feuerwehr und die technische Beaufsichtigung dem Kommando der freiwilligen Turnerfeuerwehr unterstellt.
Es folgten im Jahr 1879 die ersten Einsätze in Dörfern der näheren Umgebung.
Ab dem Jahr 1890 stand für Löschzwecke das Wasserrohrnetz des neu entstandenen Wasserwerkes zur Verfügung. Im August 1900 wurde bei einer Übung am Hotel de Saxe erstmalig ein Sprungtuch angewandt.

Der wirtschaftliche und technische Aufschwung des 20. Jahrhunderts machte auch vor dem Großenhainer Feuerwehrwesen keinen Halt. Das hatte zur Folge, dass in den Jahren bis zum 2. Weltkrieg die Ausrüstung der Feuerwehr deutlich verbessert werden konnte und damit auch eine wirksamere Brandbekämpfung möglich war.

Die Folgen des 2. Weltkrieges waren auch in der Feuerwehr deutlich spürbar. Es entstanden große Lücken in den Reihen der Kameraden und der technischen Ausrüstung.

Mit der Bildung der Brandschutzämter 1946, die der Polizei unterstellt waren, kam es zur Gründung einer Berufsfeuerwehr und damit verbunden war der Neubau des Feuerwehrdepots am Rostiger Weg. Nach dem Umzug der Berufsfeuerwehr von Großenhain nach Riesa wurde das Gebäude von der Polizei übernommen. Einen Teil der Fahrzeugtechnik erhielt die Stadt Großenhain. Damit lag der Brandschutz wieder in den Händen der Freiwilligen Feuerwehr, die ihr Depot im kleinen Gerätehaus Topfmarkt hatte.

In den Jahren 1962/63 wurde weitere Technik, so ein Löschfahrzeug und ein Tanklöschfahrzeug, angeschafft.
Ein entscheidender Schritt für die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr, neue Kameraden zu gewinnen und vor allem um den Nachwuchs auszubilden, war 1966 die Gründung der Jugendfeuerwehr.

Im Oktober 1971 startete erstmalig die "Atze Feuerwehr". Sie ist aus dem Leben der Stadt durch vielfältige Einsätze zu kulturellen Höhepunkten, Stadt- und Dorffesten nicht mehr wegzudenken. Insbesondere bei Kindern und Jugendlichen erfreut sie sich größter Beliebtheit.

Nach der politischen Wende 1989 vollzogen sich eine Vielzahl von Änderungen im strukturellen und feuerwehrtechnischen Bereich. Es wurde möglich, neue moderne Löschtechnik und Ausrüstungen anzuschaffen. Die Einsatzgebiete dehnten sich aus. Hier ist insbesondere die technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen zu nennen.

Im Mai 1990 fanden die ersten freien Kommunalwahlen in der DDR statt. Es kam eine neue Stadtverwaltung und ein neuer Bürgermeister wurde gewählt. Dieser ist für alle Belange der Sicherheit und damit auch für den Brandschutz in der Stadt Großenhain verantwortlich. Seitdem sind die Feuerwehrangelegenheiten dem Ordnungsamt zugeordnet.

Für die Kameradinnen und Kameraden der Feuerwehr galt es nun, sich mit den neuen, nicht immer leichten Aufgaben vertraut zu machen. Manches Problem musste überwunden werden. Ganz besonders wichtig ist es aber, dass unter den Kameradinnen und Kameraden  eine sehr gute Kameradschaft herrscht. Ohne diese nutzt die beste technische Ausstattung nichts. 

Wie bereits erwähnt, ist insbesondere die technische Hilfeleistung bei Verkehrsunfällen für die Kameraden der Feuerwehr neu. Durch die Zunahme des Verkehrs kann es täglich, ja stündlich vorkommen, dass die Hilfe der Feuerwehr angefordert wird. Ölspuren sind zu beseitigen, Unfallstellen abzusperren, Brände an PKW’s oder LKW’s zu löschen. Doch die schlimmsten Einsätze sind, wenn es gilt, eine eingeklemmte Person zu retten. Oftmals ist dann jede Hilfe zu spät. Das geht auch einem erfahrenen Feuerwehrmann ganz schön unter die Haut.

Um diesen hohen Anforderungen gerecht zu werden, mussten sich die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr mit hohem Engagement und in selbstloser Bereitschaft  in ihrer Freizeit mit neuer Technik vertraut machen. Jeder Handgriff muss sitzen, jede Sekunde zählt.

Was wünscht sich die Feuerwehr von den Kraftfahrern? Außer einer generell vernünftigen Fahrweise und dem unbedingten Benutzen der Sicherheitsgurte auch dies: eine präzise Unfallmeldung. Was ist passiert, wo, wer ist beteiligt, sind Menschen verletzt, bestehen sonstige Gefahren usw. Eigentlich wird so was in jedem Erste-Hilfe-Kurs gelehrt, aber wenn man dann das Gestammel an der Notrufsäule hört …

Um den oben genannten Aufgaben gerecht zu werden, erhielt die Großenhainer Freiwillige Feuerwehr im Februar 1994 ein neues Tanklöschfahrzeug. Das Fahrzeug vereinigt ein kombiniertes Lösch- und Gerätefahrzeug. Fünf  Kameraden und der Gruppenführer gehören zur Besatzung. 

Im April 1995 wurde vom Bürgermeister ein neues Tanklöschfahrzeug TLF 16/45 übergeben. Das Fahrzeug kann 4500 Liter Wasser aufnehmen und ist speziell für Waldbrände vorgesehen. Mit einer starken Wasserkanone können aus 70 bis 80 Meter Entfernung Brände bekämpft werden.

Am 13. Oktober 1997 ging dann ein lang ersehnter Wunsch in der Entwicklung des Feuerlöschwesens der Stadt Großenhain in Erfüllung. Der Tag der Grundsteinlegung für ein neues Gerätehaus auf der Schillerstraße war gekommen. Es ist das erste neue Gerätehaus in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr. Die Einweihung erfolgte am 26. Februar 1999.

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